50 Jahre Jagdgebrauchshundverein Westerwald e.V.

Traditionell führten die Jägergenerationen der Westerwaldregion schon immer gute Gebrauchshunde, die überwiegend auch aus heimischer Zucht hervorgingen.
Dies läßt sich schon aus der Zusammenstellung der einzelnen Züchter von Gebrauchshunden unterschiedlichster Schläge entnehmen. Abgesehen davon, dass die erwähnten Züchter jeweils einem Zuchtverein angeschlossen waren, wie etwa die DD-Züchter den VDD-Gruppen Hessen oder Mittelrhein, bzw. die DK-Züchter dem ersten Frankfurter Jagdclub, war die Abhaltung von Verbandsprüfungen der Vorstehhunderassen überwiegend den Gebrauchshundevereinen vorbehalten.

50 strherFür die Westerwaldregion lag es nahe, sich dem schon seit 1929 bestehenden Jagdge-brauchshundeverein Nassau e.V. mit Sitz in Limburg zu zuwenden. Für die aus dem Hohen Westerwald kommenden Gebrauchshundeführer war die Teilnahme an Prüfungen schon sehr schwierig. Zwischen den beiden Weltkriegen war es ohne eigenes Fahrzeug, nur mit öffent-lichen Verkehrsmitteln, schon eine kleine Weltreise zu den überwiegend im Raume Limburg stattfindenden Prüfungen. So blieb eine solche Reise für den Schüler Walter Dillmann aus Kroppach mit seinem Vater Carl Dillmann, einschließlich Übernachtung im Standquartier, wie er mir erzählte, ein unvergessliches Erlebnis.

Man muss sich vorstellen wie das damals vor sich ging, der Härte-Nachweis wurde bei Jugendprüfungen mehr oder weniger öffentlich erbracht, so dass die Anreise auch teilweise mit Raubwild oder Raubzeug erfolgte. Die damalige Gesetzeslage, heute mit Recht einfach undenkbar, ließ diese Prüfungshandhabung bis zum Inkrafttreten tierschutzgerechterer Vorschriften zu.

Durch die Zonenbildung nach dem zweiten Weltkrieg litt das bis dahin praktizierte Vereinseben der Westerwälder mit den Nassauern. Getreu nach dem Motto es muss etwas geschehen blies der schon immer sehr aktive und bereits erwähnte Förster Carl Dillmann aus Kroppach gemeinsam mit dem Hachenburger Forstmeister Otto Stichter zum Sammeln.

Interessierte Gebrauchshundefreunde, trafen sich nach entsprechender Publikation, am 6. Januar 1949 im Hotel Friedrich in Hachenburg, zur Gründung eines Jagdgebrauchshundvereins.

Zu dieser Gründungsversammlung erschienen:
• Carl Dillmann, Kroppach
• Otto Stichter, Hachenburg
• Josef Thomé, Stein-Neukirch
• Rolf Sommer, Hof
• Apoth. Franz Jos. Meyerheim, Rennerod
• Dr. Rudolf Heinen, Rennerod
• Fränzi Heinen, Rennerod (Ehefrau von Dr. Heinen und Tochter von Apotheker Meyerheim)
• Rudolf Gross, Marienberg
• Dr. Günter Mahnke, Waldbreitbach
• Herbert Ströher, Hachenburg
• Ernst Kreusel, Hachenburg
• Moritz Blieder, Marienberg


50 meyerheimAdolf Hartmann, Fehl-Ritzhausen In dieser Gründungsversammlung wurde Forstmeister Otto Stichter zum Ersten Vorsitzenden, Ernst Kreusel zum Schriftführer und Dr. Heinen zum Schatzmeister gewählt. Die Versammlung gab dem Verein den Namen Jagdgebrauchshundverein Westerwald, der dann 1950 sowohl in die Liste der dem Jagdgebrauchshundeverband angehörenden Vereine aufgenommen, als auch mit Sitz Hachenburg in das Vereinsregister eingetragen wurde.

1951 konnten 102 Mitglieder verzeichnet werden. Im Jahr vorher, also 1950 wurde bereits die erste Verbandsgebrauchsprüfung im Raum Hachenburg ausgerichtet, nachdem der Verein nicht nur interessierte Führer hatte, sondern auch die erforderliche Anzahl Verbandsrichter nachweisen konnte.

50  ltschertDie Neugründung des Vereins war keine Abspaltung von dem Nachbarverein Nassau mit Sitz in Limburg, sondern fand, wie bereits erwähnt, unter den Zwängen der Nachkriegs- und Besatzungszeit statt. Die besonders aktiven Mitglieder blieben allerdings den Nassauern als Zweitmitglieder erhalten, wie sich auch im Gegenzug, alte „Nassauer dem Westerwaldverein ebenfalls als Zweitmitglieder anschlossen. Es entwickelte sich ein gutnachbarliches Verhältnis, das nicht nur den Richteraustausch zur Folge hatte, sondern auch durch gegenseitige aktive Teilnahme an Prüfungen geprägt war. Die gemeinsame Abhaltung von Gebrauchsprüfungen trug zu diesem guten Klima bei.

Leider hat sich im Laufe der Zeit infolge des allseits üblichen Strukturwandels, sowohl im Hinblick auf die jeweils geänderten Mitgliedereinzugsbereiche, als auch durch Verjüngung der Mitglieder und der Vereinsgremien ein Wandel vollzogen. Darunter litten die vorhandenen, teilweise sehr engen persönlichen Verbindungen. Ganz besonders erkennbar wurde dies auch in der mangelnden Abstimmung der Prüfungstermine. Wie ich, selbst alter Nassauer, aus der aktuellen Mitgliederliste entnehme, halten nur noch einzelne, überwiegend von der Herkunft her Westerwälder, dem JGV Westerwald e.V. die Treue. Als Vorsitzender prägte der Unternehmer Arno Wittgert aus Ransbach, ohne die Verdienste der anderen Vorsitzenden schmälern zu wollen, im Gespann mit dem Unternehmer Paul Übelacker ebenfalls Ransbach, den Verein im besonderen Maße.

Der Vere50 dillin erhielt durch deren Öffentlichkeitswirksamkeit die besondere Note des Klein aber Fein. Sie wurden dabei unterstützt durch engagierte Gebrauchshundeleute wie Carl und Walter Dillmann, Erwin Pfeiffer, Karl Suchan, Eduard Lötschert, Rudolf Gross und Hubert Glöckner, um nur die wesentlichsten aus dieser Zeit zu nennen.

Bei der Beschaffung von Prüfungsrevieren, die mit hohem Waldanteil ausgestattet sein mussten, bestanden nie Probleme. Hierfür standen Staatswaldreviere und auch gemeinschaftliche Jagdbezirke zur Verfügung. Für Jugendprüfungen und die Feldarbeit bei Verbandsgebrauchsprüfungen waren dagegen niederwildreiche Reviere notwendig. Hier bot sich das im unteren Westerwald liegende, damals niederwildreiche Revier Hadamar geradezu an. Jakob Stahl aus Niederhadamar, Besitzer des Hotels Zur Sonne und später auch sein Sohn Manfred, stellten fast zwanzig Jahre ihr gut besetztes Revier bis zur allgemeinen Niederwildmisere, sowohl für Jugendprüfungen als auch für Gebrauchsprüfungen zur Verfügung. Wir waren in jeder Hinsicht dort gut aufgehoben und manche Schlacht wurde sowohl im Revier als auch nach der Prüfung geschlagen. Damalige Akteure, soweit sie noch leben, wissen von was die Rede ist.

Ein guter Geist bei den Hadamarer Veranstaltungen war Onkel Gustav ein Wurstfabrikant aus dem Ruhrgebiet. Er lieferte sowohl für die Prüfungsteilnehmer, als auch für die seinerzeit noch vielköpfige Korona Würstchen in Meterware, die er aus dem Kofferraum seines Mercedes-Benz herausholte. Diese Prüfungen waren bis Ende der siebziger, Mitte der achtziger Jahre, zahlenmäßig gut besucht. Die Zahl der Hundeführer, welche regelmäßig jedes Jahr ein bis zwei Hunde, entweder aus eigener Zucht oder für fremde Besitzer führten, nahm teilweise altersbedingt aber überwiegend aus zeitbedingten Gründen ab.

50 kiefer heinenEine wesentliche Aufgabe der Vereinsführung wird es in Zukunft sein, zeitnahe Motivationsmaßnahmen in die Wege zu leiten. Wie aus den Bilddokumenten zu entnehmen ist, fanden schon frühzeitig unter Anleitung von qualifizierten Praktikern Hundeführerlehrgänge statt, die guten Anklang fanden. Hier machten und machen sich die Mitglieder Carl Dillmann, Rolf Sommer, Erwin Pfeiffer, Uwe Klöckner, Uwe Schmidt, Egon Thomas, Peter Schaback und Alois Trapp verdient.

Die Wasserarbeiten fanden zunächst in den Tongrubenbereichen bei Berod und Ruppach-Goldhausen statt. Später wurden die Prüfungen am Wasser in das Revier Willingen des früheren Mitgliedes Karl Ludwig verlegt. Das privat angelegte Gewässer, welches jedoch in kommunalem Eigentum ist, war bis 1996 sowohl Prüfungs- als auch regelmäßiges Übungsgewässer. Die unregelmäßigen Wasserstände machten es jedoch notwendig, sich um ein prüfungsgerechteres Wasser zu bemühen.

Durch die Vermittlung unseres Vorsitzenden Alois Trapp und dem Angehörigen des Fürstlich Wiedschen Forstpersonals, unserem Mitglied Peter Schaback, Forsthaus Sayneck, Isenburg, ist es dem Verein seit 1997 möglich, bei Dierdorf eine Teichanlage sowohl für die VGP als auch für einen Wasserübungstag in Anspruch zu nehmen. Letzterer ist den Hundeführern vorbehalten, die ihre Hunde für Verbandsprüfungen vorbereiten. Der Termin wird einvernehmlich mit der Fürstlichen Forstverwaltung vom Verein festgelegt.
Das Gewässer stellt in seiner Größe mit gutem Schilf- und Binsenbewuchs hohe Anforderungen an die Hunde. Hier scheiden sich schnell die Geister bei der Prüfung ohne und mit Ente, nach vorausgegangener Jagdausübung. Das gleiche trifft zu beim Verlorensuchen der Ente. Ab Mitte der achtziger Jahre konnte bei den Gebrauchsprüfungen für die Feldarbeiten immer noch improvisiert werden, indem in Reviere von Albert Fuhrländer und Dr. Hüttel bei Kölschhausen oder dem der Gebrüder Manfred und Rudi Kaiser, Beselich und neuerdings nach Dorlar bei Wetzlar, der Pächter ist Heinrich Neeb, ausgewichen wurde.


Für die Prüfung der Anlagen auf der Spur des Hasen bzw. in Nase und Vorstehen an Federwild bei der VIP reichten die vorerwähnten Reviere nicht aus. Es boten sich daher durch eigene Mitglieder oder Beziehungen zu Pächtern, Reviere bei Hetzerath, Nieder-Olm, Stadecken und sogar bei Billerbeck im Münsterland an. All diesen Revierinhabern, auch den un-genannten, sei bei dieser Gelegenheit im Namen aller Mitglieder nochmals recht herzlich gedankt.


Was das Interesse der Prüfungsteilnehmer und auch der Zuschauer bei diesen Prüfungen anbetrifft, ist bedauerlicherweise ein Wandel eingetreten. Ich räume ein, dass es immer schwieriger geworden ist und auch nach Lage der Dinge noch wird, für die Gebrauchshundevereine prüfungsgerechte Reviere zu finden. Die gleiche Problematik besteht für die Führer von Vorstehhunden, bei der Suche nach gut mit Niederwild besetzten Revieren, um ihre Hunde für die Prüfung sorgfältig vorzubereiten d.h. mit anderen Worten, sie nach der Prä-ampel der Prüfungsordnung so firm zu machen, dass sie den Anforderungen in der jagdlichen Praxis gerecht werden.


50 erster uebungsZu dieser Situation tragen zwangsläufig auch die den heutigen politischen Zwängen unter-worfenen geänderten Prüfungsbedingungen bei. Eine dahingehende Entwicklung zum Besse-ren ist bei aller Wertschätzung der angestrebten Reformen, nicht zu erwarten. Der Bestand und die Existenz eines Prüfungsvereins wird von der Abhaltung von Prüfungen getragen. Es müssen daher in erster Linie junge Hundeführer mobilisiert werden, die es nicht bei der Absolvierung der Jagdeignungsprüfung bewenden lassen, wie es derzeit bei den Teilnehmern der jährlich von den Kreisgruppen veranstalteten Hundeführerlehrgänge die Regel ist. Ich meine, dass hier der Hebel angesetzt werden müsste, indem die Lehrgangsleiter, die aus-schließlich aus dem Lager der Gebrauchshundevereine kommen, die Führer mit qualifiziertem Hundematerial ansprechen und so fördern, dass sie an den Verbandsprüfungen teilnehmen. M . E. reichen die neuerdings stattfindenden Langschleppenprüfungen oder Bringtreueprüfungen nicht aus. Ich glaube kaum, dass wir von anderer Seite Hilfe erwarten können.

Zumindest sollte die Teilnahme an der vom Jagdgebrauchshundeverband neu installierten Prüfung nach dem Schuß (VPS) angestrebt werden. Bei dieser Prüfung entfällt die klassische Feldarbeit vor dem Schuß, somit können auch Hunde geführt werden, die nicht zu den Vorstehhundschlägen zählen. Wenn auch die Zahl der Meldungen für diese, erstmals im Zusammenhang mit der VGP 1998 ausgeschriebene Prüfung zu wünschen übrig ließ, so ist doch zumindest der Anfang gemacht.

Rückblickend kann der Jagdgebrauchshundverein Westerwald e.V. nicht nur auf eine stattliche Zahl regelmäßig abgehaltener Verbandsjugend- und Verbandsgebrauchsprüfungen (siehe hierzu nachstehende Zusammenstellung) verweisen, sondern hatte in der gesamten Vereins-geschichte zahlreiche Mitglieder in seinen Reihen, die wegen ihrer besonderen Verdienste bei der Zucht und Führung von Jagdgebrauchshunden durch den Jagdgebrauchshundverband geehrt wurden (siehe auch hier nachstehende Auflistung).

Eine Vielzahl von Vereinsmitgliedern haben sich in Vergangenheit und Gegenwart der Zucht von Jagdgebrauchshunden der unterschiedlichsten Rassen und Schlägen verschrieben. Es ist uns eine Verpflichtung, ihre Namen in dieser Festschrift zu nennen. Durch die züchterische Tätigkeit dieser Vereinsmitglieder, wurde der Jägerschaft bestens geeignetes Hundematerial zur Seite gestellt. Fester Bestandteil der regelmäßigen Vereinsveranstaltungen ist seit 1983 der jährlich stattfindende Familientag bei Willingen/Fuchskaute. Hier treffen sich am Sport-platz immer zahlreiche Mitglieder sowie interessierte Gäste, nicht nur um ihre Hunde im Bereich der Fuchskaute auf den Schleppen von Federwild, Kanin und Fuchs zu üben, sondern auch um die Gelegenheit zur Wasserarbeit an der bereits erwähnten Teichanlage wahrzunehmen.

Das nahegelegene Hindernis gibt die Möglichkeit zur Arbeit mit dem Fuchs. Richter des Vereins geben hierbei jungen Hundeführern Anregungen für den Fortgang der praktischen 50 dr sommerAusbildung und Führung.

Dabei sei dem neuen Pächter des Reviers Willingen, Herrn Schöllmann, für die weitere Zurverfügungstellung des Reviers gedankt. Ein gemütliches Beisammensein innerhalb, oder bei schönem Wetter, außerhalb des Sportlerheimes bei Speis und Trank ließ diese Veranstaltung in der Regel ausklingen. Dabei darf das von Mitgliederfrauen vorbereitete, hervorragende Kuchensortiment, welches mit Kaffee oder Tee sehr preisgünstig gereicht wurde, nicht ver-gessen werden. Aus nachvollziehbaren Gründen ist neuerdings der Abschluss in das Lokal auf der Fuchskaute verlegt worden.

Die Richter des Vereins kommen jährlich, gemeinsam mit denjenigen der Nachbarvereine Nassau und Rhein-Mosel-Lahn zu einer Schulung zusammen. In der Federführung und Ausrichtung wechseln sich die drei Vereine ab. Schulungsleiter ist jeweils ein Vertreter des Jagdgebrauchshundverbandes, der Fragen aus der Prüfungspraxis nach dem jeweiligen Stand der Prüfungsordnungen behandelt, mit dem Ziele, durch diese Schulung ein gleichmäßiges, mit der Prüfungsordnung konformes Richten, zu gewährleisten.

Ich schließe meine Ausführungen und die im Interesse der Sache eingebrachten eigenen Gedankengänge, die m.E. bei jeder passenden Gelegenheit vorgebracht werden sollten, mit dem Wunsche, dass im Vereinsleben weder gesellschaftlich noch im Gebrauchshundbereich eine Rückwärtsorientierung eintritt. Möge der Zeitgeist, dem auch leider Jagd und Hund unterworfen sind noch so viel unserer bisherigen Aktivitäten übriglassen, dass wir auch in Zukunft noch Freude an unserem Waidwerk mit unseren vierläufigen Gesellen haben, denn

Man kann pirschen und schleichen - ohne Hund
Man kann lauern und harren - ohne Hund
Man kann auch schießen - ohne Hund
Waidwerken aber ohne Hund -, das ist unmöglich


Ernst Zimmermann, Hahnstätten